Textquellen

Textquellen stellen für Historiker das bedeutendste Instrument dar, um Einblicke in die Vergangenheit zu gewinnen. Im Geschichtsunterricht beschäftigen wir uns regelmäßig mit einer Vielzahl von Textquellen ganz unterschiedlicher Natur, z.B. Urkunden, Chroniken, Denkschriften, Akten, Briefe, Zeitungsartikel und Reden, um nur einige zu nennen.

Auf den folgenden Seiten haben wir wichtige Informationen zusammengestellt, die beim Umgang mit Textquellen behilflich sein können.

Textquellen zusammenfassen

Sinn und Zweck einer Quellenzusammenfassung ist es, die wichtigsten Aussagen einer Quelle kurz und prägnant darzulegen. Eine Quellenzusammenfassung ermöglicht es dem Leser ohne Kenntnis des ursprünglichen Texts den Quelleninhalt schnell und zuverlässig nachzuvollziehen. Dabei hält sich die Zusammenfassung strikt an den Ausgangstext - die eigene Meinung zur Quelle bzw. quellenkritische Bemerkungen gehören nicht in eine Quellenzusammenfassung, sondern sind Teil der Quellenanalyse.

Eine Quellenzusammenfassung ist in der Regel in zwei Abschnitte gegliedert: Erstens die Einleitung, welche formale Angaben zur Quelle und deren Thema enthält, sowie zweitens der Hauptteil, in welchem der Inhalt der Quelle zusammengefasst wiedergegeben wird. Beim Anfertigen einer Quellenzusammenfassung empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

Erster Arbeitsschritt: Lesen

  • Quelle intensiv lesen
  • wichtige Informationen und Schlüsselbegriffe markieren
  • Fremdwörter und Fachbegriffe klären
  • durch Verwendung unterschiedlicher Farben thematische Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar machen

Zweiter Arbeitsschritt: Gliedern

  • Struktur der Quelle nachvollziehen
  • Quelle in Sinnabschnitte gliedern und präzise Überschriften für diese Sinnabschnitte finden

Dritter Arbeitsschritt: Einleitung verfassen

  • Formalia zur Quelle wiedergeben (Autor, Titel, Erscheinungsdatum, ggf. Adressat, ggf. Übersetzer)
  • Quellengattung beschreiben (z.B. Denkschrift, Brief, Rede, Chronik, Tagebuch etc.)
  • Quellentyp bestimmen (Primärquelle oder Sekundärquelle)
  • Thema der Quelle in einem Satz kurz und prägnant formulieren

Vierter Arbeitsschritt: Hauptteil verfassen

  • anhand der in Schritt 2 erarbeiteten Überschriften entscheiden, welche Informationen so wichtig sind, dass sie in jedem Fall in die Quellenzusammenfassung gehören und welche Informationen weggelassen werden können
  • sinnvolle Gliederung für die Zusammenfassung überlegen
  • Hauptaussagen der Quelle in eigenen Worten wiedergeben
  • die Wiedergabe des Inhalts erfolgt generell im Präsens nicht im Präteritum
  • bei Verwendung der indirekten Rede ist der Konjunktiv zu benutzen

Fünfter Arbeitsschritt: Korrektur lesen

  • Quellenzusammenfassung gründlich lesen und etwaige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler korrigieren
  • nochmals überprüfen, ob alle zentralen Aussagen der Quelle wiedergegeben wurden
  • nochmals überprüfen, ob die Zusammenfassung objektiv formuliert wurde und keine Wertung/eigene Meinung enthält

Textquellen analysieren

Der Aussagewert einer Quelle erschließt sich ihrem Betrachter erst, wenn er gezielt Fragen an sie richtet. Daher gehört die detaillierte Analyse einer Quelle unter einer vorgegebenen Fragestellung zu den wichtigsten Arbeitstechniken im Geschichtsunterricht. Nur so lässt sich aus Quellen Geschichte rekonstruieren.

Eine Quellenanalyse ist in der Regel in zwei Abschnitte gegliedert: Erstens die Einleitung, welche formale Angaben zur Quelle, deren Thema sowie die Leitfrage der Analyse enthält, sowie zweitens der Hauptteil, in welchem die Quelle unter Beachtung der Leitfrage analysiert wird. Beim Anfertigen einer Quellenanalyse empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

Erster Arbeitsschritt: Lesen

  • Quelle intensiv lesen
  • wichtige Informationen und Schlüsselbegriffe markieren
  • Fremdwörter und Fachbegriffe klären
  • durch Verwendung unterschiedlicher Farben thematische Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar machen

Zweiter Arbeitsschritt: Gliedern

  • Struktur der Quelle nachvollziehen
  • Quelle in Sinnabschnitte gliedern und präzise Überschriften für diese Sinnabschnitte finden

Dritter Arbeitsschritt: Analyse

  • Informationen beschaffen, die zur Beantwortung der Leitfrage dienlich sind, z.B.
    • biographische Informationen über den Autor (Lebensdaten, Amt, Stellung, soziokultureller Hintergrund...)
    • Informationen über den Adressaten der Quelle (breite Öffentlichkeit, Machthaber, Privatperson...)
    • Intention des Autors der Quelle (Information, Manipulation, Überlieferung...)
    • historisches Umfeld der Quelle (Zeit, Epoche, Ort)
    • Stil und Sprache der Quelle (sachlich, polemisierend, informativ, emotional...)
  • Sammeln von Informationen aus der Quelle, die zur Beantwortung der Leitfrage dienen können
  • kritische Betrachtung der gesammelten Informationen unter Beachtung der Leitfrage

Vierter Arbeitsschritt: Einleitung verfassen

  • Formalia zur Quelle wiedergeben (Autor, Titel, Erscheinungsdatum, ggf. Adressat, ggf. Übersetzer)
  • Quellengattung beschreiben (z.B. Denkschrift, Brief, Rede, Chronik, Tagebuch etc.)
  • Quellentyp bestimmen (Primärquelle oder Sekundärquelle)
  • Thema der Quelle in einem Satz kurz und prägnant formulieren
  • Leitfrage für die im Hauptteil folgende Quellenanalyse nennen

Fünfter Arbeitsschritt: Hauptteil verfassen

  • ausgewogene Beantwortung der Leitfrage anhand der in Schritt 3 zusammengetragenen Informationen
  • sinnvolle Gliederung für den Hauptteil überlegen (Sinnabschnitte)
  • Präsens benutzen bzw. Konjunktiv bei indirekter Rede
  • abschließendes Urteil über Aussagewert der Quelle und Glaubwürdigkeit des Autors hinsichtlich der Beantwortung der Leitfrage abgeben
  • auf etwaige Unklarheiten, Unsicherheiten und offene Fragen hinweisen

Sechster Arbeitsschritt: Korrektur lesen

  • Analyse gründlich lesen und etwaige Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler korrigieren
  • nochmals überprüfen, ob die Analyse in sich schlüssig ist und alle wichtigen Punkte behandelt