Textquellen
Unter Textquellen versteht man alle Arten von Quellen, die hauptsächlich einen Text überliefern. Hierzu gehören u.a. Chroniken, Annalen, Urkunden, Akten, Briefe, Reden, Biographien etc. Textquellen stellen für Historiker aufgrund ihrer Ausführlichkeit oftmals das wichtigste Instrument dar, um Informationen über die Vergangenheit zu gewinnen. Einige Beispiele berühmter Textquellen möchten wir auf dieser Seite vorstellen.

Inschriften
Der auch als Mutter aller Inschriften bekannte Tatenbericht des römischen Kaisers Augustus (8 n. Chr.) wurde im 16. Jahrhundert an den Wänden eines Tempels im türkischen Ankara entdeckt und ist eines der herausragendsten Beispiele für die herrscherliche Selbstinszenierung. Er beginnt mit den berühmten Worten: "Im Alter von 19 Jahren habe ich aus privater Initiative und mit eigenen Mitteln ein Heer aufgestellt, welches ich benutzte, um dem Staat, der durch die Gewaltherrschaft einer politischen Machtgruppe unterdrückt wurde, die Freiheit wiederzugeben."

Urkunden
Die Goldene Bulle (1356) ist eines der wichtigsten Dokumente der Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches. Sie regelt die Wahl des deutschen Königs und erhebt zahlreiche Privilegien der Kurfürsten, die bisher nur gewohnheitsrechtlich galten, zum Gesetz. Der Name "Goldene Bulle" leitet sich von dem goldenen Siegel Karls IV. ab, welches an der Urkunde befestigt war.

Briefe
Der Briefwechsel zwischen dem preußischen König Friedrich dem Großen (1712-1786) und dem französischen Philosophen Voltaire (1694-1778) gehört zu den spannendsten Episoden der frühneuzeitlichen Geschichte. In über 300 Briefen debattierten die beiden leidenschaftlich nicht nur über politische Fragen der Zeit, sondern auch - wie es sich für Aufklärer gehört - über die großen Fragen der Menschheit. Friedrich schrieb dabei stets in französischer Sprache.

Verträge
Der Versailler Vertrag (1919) beendete formell den Ersten Weltkrieg, indem er dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die alleinige Schuld am Kriegsausbruch zusprach. Außerdem wurde das Deutsche Reich zu Gebietsabtretungen und hohen Reparationszahlungen verpflichtet. In den darauffolgenden Jahren bestimmte die Auseinandersetzung um den als ungerecht empfundenen Versailler Vertrag die deutsche Innen- und Außenpolitik wie kein zweites Thema und öffnete extremistischen Parteien Tor und Tür. Auch heute ist die Auslegung des Versailler Vertrags noch Gegenstand hitziger Debatten.