Schneeweiß und Russenrot
Die Theater-AG zeigt ein Stück der polnischen Autorin Dorota Maslowska
Eine Plattenbausiedlung in einer polnischen Stadt, irgendwann Ende der Neunziger. Andrzej, Ich-Erzähler in Dorota Maslowskas Roman „Schneeweiß und Russenrot" und genannt der Starke, wird von seiner Freundin Magda verlassen - was er jedoch nicht von ihr, sondern über drei Ecken erfährt. Während dessen herrscht in der Stadt ein neuer polnisch-russischer Krieg. Der Starke lässt sich nacheinander mit anderen Frauen ein: Angela ist Jungfrau, Tierschützerin und dünn, Nataschas Manieren und Moral sind dem Speed zum Opfer gefallen. Während der Starke versucht, mit Hilfe von allerlei Drogen seinen männlichen Stolz aufrechtzuerhalten, fährt er ans Meer, er besucht das Volksfest „Russenfrei", seine Freundinnen verbünden sich, er überfällt zusammen mit dem Linken eine McDonald's-Filiale.
„Schneeweiß und Russenrot" zeigt in einem unablässigen Erzählstrom eine zwischen Postkommunismus, Kapitalismus und Globalisierung eingezwängte Altersgruppe, deren Welt- und Selbstwahrnehmung bar jeder moralischen Selbstrestriktion erscheint und die dies alles als Spiel zu begreifen scheint.
Kurzkommentar
von Hermann Krutzinna
Wer sich nicht an der manchmal derben Sprache der „heutigen Jugend“ stört und akzeptieren kann, dass die Jugendlichen einen sehr viel lockeren Umgang mit ihrer Sexualität haben als die Generation ihrer Eltern oder Großeltern - kurz gesagt wer kein Spießer ist - dem sei dieses Stück empfohlen. Das Stück liefert einen interessanten Einblick in ein Problemfeld der Jugendlichen. Die schauspielerischen Leistungen sind dabei sehr beeindruckend, was der frenetische Applaus der Zuhörerschaft am Ende der heutigen Premiere bestätigte.
Wer die Gelegenheit verpasste, das Stück zu sehen, kann es sich diese Woche noch am Dienstag, Mittwoch und Freitag anschauen.
Einen kleinen Eindruck von der Aufführung mögen die Bilder in der Galerie wiedergeben.