Obersburger in der hazett


Hersfelder Zeitung, 8. November 2002:

Nachwuchs ist ein Problem

Von Kira-Katharina Brück

Bad Hersfeld. „Wir wollen eine Kommunikation zwischen den Schülern aufbauen, ein Medium, dass alle miteinander verbindet“, erzählt die 18-jährige Juliane. Sie bildet zusammen mit Manuel die Redaktionsleitung der Schülerzeitung der Modellschule Obersberg „Obersburger“. Diese Zeitung gibt es bereits seit 1998, seither sind acht Ausgaben erschienen, also jedes halbe Jahr ein Heft. Den engagierten Schülern steht der Lehrer Eckhard Weise zur Seite. Er berät die Redaktion, entscheidet, welche heiklen Artikel wie abgedruckt werden können und unterstützt die Schüler in ihren Vorhaben, wie er nur kann.
„Herr Weise ist offen für innovative Ideen, er möchte, dass wir Kritik formulieren. Zensur ist in unserer Redaktion ein Fremdwort“, sagt Manuel. Er ist 18 Jahre alt und besucht die 13. Klasse an der MSO, hat die Leistungskurse Deutsch und Geschichte. „Klar würde ich gerne in den Journalismus gehen, aber der Weg dort hin ist sehr schwierig und der ganze Beruf so unsicher. Wahrscheinlich studiere ist erstmal Musik“, so sieht Manuel seine Zukunft.

Juliane geht in die 12. Klasse, sie war bereits für ein Jahr in Amerika. Spaß hat sie an ihren Leistungskursen Deutsch und Englisch, nach der Schule ist ganz klar so etwas wie Kommunikationswissenschaft geplant. Der 18-jährige Andreas ist für das Layout der Zeitung zuständig, er fährt mit Kunst und Englisch als Leistungskurse auch eher die künstlerische Schiene. „An unseren Kursen, die wir gewählt haben, sieht man, dass wir uns für Sprache interessieren“, erklären die jungen Redakteure ihr Engagement bei der Schülerzeitung. Trotz des Spaßes, den die drei Redakteure bei ihrer vielen Arbeit haben, bemängeln sie einen Aspekt: Das Desinteresse der Schülerschaft. „Die Schüler aus der elften Klasse müssen sich erst einmal zurecht finden auf der neuen Schule und in der Oberstufe. Die Dreizehner sind im Abi Stress und haben absolut keine Lust, sich mit etwas anderem als Lernen zu beschäftigen. Deshalb bleiben uns nur die Zwölftklässler, die sich richtig reinhängen können“, erzählt Manuel, der trotz des bevorstehenden Abiturs nicht aufhörten möchte.

Aus all diesen Gründen gibt den den „Oberburger“ nur jedes halbe Jahr. „Schließlich machen wir Zeitung für nur ca. 800 Schüler, da passiert nicht soviel, um jedes Vierteljahr eine Zeitung zu füllen“, erklärt Juliane.

Die Chefredaktion wird jedes Jahr von den Abiturienten an die nächste Generation weitervererbt, letztes Jahr hat Nina von Schultz ihr Amt an Juliane und Manuel abgetreten. Im Redaktionsteam gibt es ungefähr zehn Leute und dann arbeiten im Hintergrund noch eine Anzahl von freien Mitarbeitern. „Doch im Großen und Ganzen bleibt die Arbeit an uns hängen“, finden Juliane und Manuel. Sie kümmern sich um die Finanzierung, den Druck, den Inhalt, einfach alles wird von ihnen geplant und organisiert. Finanziert wird die Zeitung durch die Einnahmen, Werbung und das Schülerzeitungskonto. „Trotzdem müssen wir knallhart kalkulieren, besonders der Druck ist unheimlich teuer“, gibt Juliane zu bedenken.

Wie eine Schülerzeitung entsteht, wissen die beiden mittlerweile und wenn man sich die acht Ausgaben anschaut, die bisher erschienen sind, kann man sich von einem beachtlichen Know-how überzeugen.
Die Entwicklung ist erstaunlich. Aufgegriffen werden Themen, die für eine Schülerzeitung schon fast untypisch sind. Da wird ein Interview mit der Kultusministerin Karin Wolff in Wiesbaden geführt, Nachhilfeschulen werden getestet und bewertet, Drogenprobleme besprochen, über das Frauenhaus und Satanismus berichtet. Natürlich gibt es auch leichtere Unterhaltung, die in einer Schülerzeitung ja nicht fehlen darf, um über langweiligen Unterricht hinweg zu trösten. Seit der letzten Ausgabe gibt es in jedem Heft ein Titelthema, mit dem sich besonders beschäftigt wird. Damals war es „Not-Stand Schule“, bei dem auch solche tragischen Ereignisse wie der Amoklauf in Erfurt verarbeitet wurden.
Den „Obersburger“ zu lesen macht Spaß, weil man merkt, dass hier ein paar junge Leute dahinter stecken, die sich Gedanken machen, die ihre Aufgabe ernst nehmen. Da bleibt zu hoffen, dass sich schnell Nachwuchs findet, wenn Juliane und Manuel mit bestandenem Abi an die Uni gehen. Übrigens: Die „Obersburger“ hat vor drei Jahren den vierten Platz beim hessischen Schülerzeitungswettbewerb gewonnen. Das hat man sich da oben auf dem Berg verdient.


Kommentar

Kira-Katharina Brück über Schülerzeitungen und ihre Redakteure

Jeder Redakteur hat mal klein angefangen, zum Beispiel bei einer Schülerzeitung. Und da hat er die Erkenntnis gewonnen, dass Schülerzeitungen wie eine Sucht sind. Wer einmal den Mut aufgebracht hat, einen Artikel auf die gesamte Schüler-und Lehrerschaft loszulassen, kann mit dem Publizieren so schnell nicht mehr aufhören. Der nimmt schon einmal eine schlechtere Abi-Note in Kauf, verzockt wichtige Klausuren und sitzt nächtelang in der Schule. Dabei gibt es nur eine Mission: Nächste Ausgabe! Und da werden so manche Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen und der Umgang mit Mitmenschen in den Hintergrund gedrängt.

Die Rede ist hierbei nicht von dem, der zweimal im Jahr einen Comic zeichnet oder von den Mitarbeitern, die sporadisch zu den Redaktionstreffen erscheinen. Es geht um den harten Kern derer, die von der Sucht, zu schreiben, nicht mehr weg kommen.

Dabei entwickeln sich die meisten, ohne, dass sie es selbst bemerken, zu wahren Organisationsgenies. Sie kümmern sich um die Fianzierung, den Druck, den Verkauf, den Inhalt und sind dann auch noch für alles verantwortlich, wenn der eine oder andere Artikel bei Lehrern oder Schülern nicht auf Verständnis und Wohlwollen stößt.

Nähert sich die Schule dem Ende, gibt es für die Redakteure einer Schülerzeitung genau zwei Möglichkeiten: Dem Journalismus für immer abschwören oder ihm für immer verfallen. Die meisten hindert der hohe NC der typischen Studiengänge wie Publizistik daran, weiterzumachen. Doch gerade, wer in der Lage ist, eine ganze Schule mit einer Zeitung zu unterhalten, hat genug Biß und Durchsetzungskraft, um sich seinen Sessel in der nächsten Redaktion zu erkämpfen. Denn, seien wir mal ehrlich; es handelt sich doch hierbei kaum um einen Beruf, sondern um eine Berufung.

Halte ich heute eine Schülerzeitung in der Hand, schlägt mein Herz höher und ich spüre, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn für nichts im Leben hätte ich damals mehr getan, als dieses Heftchen, dass viermal im Jahr von einer ganzen Schule gelesen wird. Bis aufs Blut hätte ich „.meine Zeitung“ verteidigt. Wer sich einmal im Leben so engagiert, wird den Traum, ein Journalist zu werden, nicht aufgeben müssen.


Hersfelder Zeitung, 31.Dezember 2005:

Erfolgreiche junge Zeitungsmacher

"Obersburger" und "Sommerseiten" ausgezeichnet

Bad Hersfeld. Gleich zweimal gelang es der Redaktion der Schülerzeitung "Obersburger" von der Modellschule Obersberg, sich im Schülerzeitungswettbewerb der Jugendpresse Hessen zu platzieren: In der Kategorie Gymnasien und Gesamtschulen mit Sekundarstufe II belegte die Ausgabe Nr. 13 den zweiten Platz hinter der ?Stein Times" aus Fulda. Der Artikel "Auf der Suche nach dem Körnchen Wahrheit" von Tanja Wolf wurde im Wettbewerb der Einzelberichte ebenfalls mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Kurzreportage, die sich mit dem Obersberg und seinen Drogenproblemen auseinander setzt. Die Ausgabe des ?Obersburger" mit dem Titelthema Drogen war kurz vor den Sommerferien in einer Auflage von 100 Stück fertig gestellt und an der Modellschule verkauft worden. Um die Teilnahmebedingungen der Jugendpresse Hessen für den angekündigten 16. Schülerzeitungswettbewerb zu erfüllen, wurden die notwendigen Exemplare und Kopien in ein Paket gepackt und hoffnungsvoll zur Post gebracht. Doch dass sie wenige Wochen vor den Herbstferien tatsächlich die Benachrichtigung der Nominierung erhalten würden, damit hatten die zehn Jungredakteure nicht gerechnet. Es gab eine Einladung zur Buchmesse sowie Freikarten für alle. Als der Tag der Preisverleihung endlich gekommen war, machten sich die Schüler mit der Bahn auf den Weg nach Frankfurt. Gespannt erwarteten sie das Aufrufen ihrer Kategorie und wer von den vier Schülerzeitungen wohl das Rennen machen wird. Den erfolgreichsten Schülerzeitungen auf den ersten drei Plätzen winkte nämlich neben den Sachpreisen auch eine Nomi¬nierung für den bundesweiten Wettbewerb in Berlin. Die nächste Ausgabe des ?Obersburger" wird voraussichtlich vor den Weihnachtsferien erscheinen. Den ersten Platz bei den Grundschulen belegten, wie berichtet, die ?Sommerseiten" der Grundschule an der Sommerseite in Bad Hersfeld. (TW)


Obersburger (I)


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