
Titelblatt: Birgit Kessler
Redaktion: Wanda Eilenberger, Peter Held, Utz Held, Christina Hucke, Marc
Oberländer, Juliane Perels, Thomas Ries, Alexander Schierholz, Michael Schmidt,
Katja Schulze-Brüggemann
Allen Lesern, die auch Texten wie denen von Utz Held nichts abzugewinnen vermögen,
versprechen die Redakteure baldmöglichst Abhilfe zu schaffen:

Auf kaum einem Tutorengruppen-Foto darf es heute fehlen, eines der „indianischen“
Skulpturen als Wahrzeichen der MSO schlechthin.
Damals verspotten die Redakteure die Installierung dieser, wie sie meinen,
überteuerten Kunst am Bau als Niederkunft der Blechgeteile.
In einem Gespräch mit Fachlehrer W. Schlosser lassen sie sich allerdings davon überzeugen, dass weder das Diktum „Schrott“ noch das der „Spitzenversion schöner Kunst“ richtig sei, sondern dass man für 240.000 DM „Schmuck“ erhalten habe – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ihr Ersuchen um Stellungnahme zur heißesten Kulturdebatte an der MSO
seitens der Schulleitung wird jedoch abschlägig beschieden. Als Direktor
Schäfer bekundet, mit diesem „Problem“ nichts zu tun haben
zu wollen, erinnern sich die Zeitungsmacher an dessen Glaubenssatz im décolleté-Interview:
Der Gedankenaustausch vieler andersartiger Menschen kann geistiger Gewinn
sein, und sind bitterlich enttäuscht.
Die Erst-Obersburgler rüffeln ihren Direktor und lästern so richtig
über das Chaos bei Schulsprecherwahlen. Alles in allem jedoch suchen
sie als typische SZ-Redakteure den Dialog mit den Leidensgenossen wie mit
den all(zu)mächtigen Autoritäten in ihrem Alltagsdasein.
Wie bissig sie werden können, wenn sie von Pädagogen hören,
die Schülerzeitungen gar nicht mögen, davon zeugen Auszüge
aus den Aufzeichnungen des Schülers Erwin in Utz Helds Satire
Ein Schultag:
Es gongt. Sogleich kommt Shwatsing hereingeeilt. Eigentlich sollte er Geschichte unterrichten. Aber das ist diesem Lehrer zu wenig. Er bringt den Schülern gleich noch ein wenig Englisch, Fußballspiele zu kommentieren, Schülerzeitungen zu verspotten und blöde Witze zu reißen bei. Wenn keiner über einen seiner Witze lacht, stört ihn das nicht im Geringsten, denn nach seiner Überzeugung interessiert Geschichte heutzutage kaum einen Schüler mehr. Jetzt erzählt er gerade: „Dieser Augenthaler can’t play soccer, wie der Engländer sagen würde. Das erinnert mich an Cäsars veni, vedi, vici.“ (…) Shwatsings Geschwätz geht nie zu Ende, es wird nur örtlich verschoben (…).
aus: Obersburger Nr.5. , Oktober 1986, S.21f.