Hersfelder Zeitung vom 26.01.2012

Dschungelcamp hautnah

Vivarium am Obersberg: Das Wort Ekel kennen die Schülerinnen und Schüler nicht

Von M. LÄNGST-M. DRÄGER-P. STRECK

BAD HERSFELD. Millionen von Zuschauern wollen täglich vor dem Fernseher miterleben, wie sich Prominente mit abschreckenden Insekten umgeben. Für die Schüler der Modellschule Obersberg gehört der Umgang mit 18 verschiedenen Exoten zum Tagesgeschäft.
Hanna Schwalm hat keine Angst vor ihnen. Ohne zu zögern setzt sie sich eine Riesen-dornschrecke auf die Schulter. Selbst als das Tier an ihr herumkrabbelt, hat Hanna, anders als die Prominenten in Dschungelcamp, die Ruhe weg. „Ich habe kein Problem damit, die Riesendornschrecke zu nehmen. Ich finde es lustig, die Promis sollen sich mal nicht so anstellen, wenn sie da schon mitmachen", sagt die Schülerin.

Hier kneift keiner
Aber sie ist nicht die Einzige, die keine Scheu vor dem Kontakt mit den Exoten hat. Klassenkamerad Malte Martach aus der E1/07 nimmt Bartagame „Bernd" liebevoll in die Hand. Wo die Bewohner des Dschungelcamps kneifen, zeigen die Schüler der Modellschule Obersberg keine Furcht.

Schülerin Hanna Schwalm präsentiert eine Riesendornschrecke aus dem Vivarium der Modellschule Obersberg. Foto: Dräger
Neben der Bartagame „Bernd" und der Riesendorn-schrecke beherbergt das Vivarium der Modellschule heute noch eine Vogelspinne, zwei Schlangen, Stab-Heuschrecken und auch exotische Amphibien, Insekten und Fische. Alles fing mit der Idee von Hartmut Keller an, der 1994 damit begann Grillen und Kellerasseln für den Biologieunterricht zu züchten und damit den Grundstein für den heutigen Kleindschungel legte. Für die Pflege der aus fernen Ländern stammenden Tiere gründete sich eine Arbeitsgemeinschaft (AG): die Vivariums-AG.
Ob es um die Pflege oder das Füttern geht, die Schüler der AG fürchten sich vor nichts.
Einige haben sogar die Patenschaft für ein Tier übernommen. Anders als im Fernsehdschungel, wo sich die Bewohner vor den Kreaturen ekeln, sorgen sich die Schüler rührend um das Wohl der ungewohnten Tiere. Doch auch die anderen Schüler der Oberstufe haben kein Verständnis für das Gejammer der Dschungelköniganwärter.
„Den Promis geht es doch nur um das Geld und den Ruhm. Dafür müssen die Tiere leiden - und das finde ich verachtenswert", ärgert sich Malte Martach. Trotzdem dürfen die mutigen Schüler die Tiere nur unter der fachkundigen Aufsicht von Michaela Kandier, Dieter Siebold oder Corina Klose aus den Terrarien holen. Die drei Biologielehrer passen auf, dass die Jugendlichen richtig mit den Tieren umgehen. Anders als im Dschungel, wo Kakerlaken und Heuschrecken täglich auf der Speiskarte stehen, werden die Tiere hier fürsorglich behandelt.
Von Mitgefühl für die Prominenten ist hier nichts zu spüren. Die jungen Dschungelbesitzer der MSO, sorgen sich eher um das Wohl der Tiere, die für Ekelmomente im Fernsehen herhalten müssen.


Schüler beobachten Verhalten der Käfer

Mit einer speziell entwickelten Apparatur messen die Schüler in den Biologiestunden die Atemfrequenz der Insekten. Außerdem können die Jugendlichen sehen, wie ein Frosch seine Beute fängt. Dabei finden die Jugendlichen heraus, dass das Beutefangverhalten der Amphibie instinktiv ist und immer gleich abläuft. Auch das Zeichnen der Stabheuschrecken gehört zum Unterricht dazu.
Diese und viele weitere Experimente bringen die Exoten den Schülern näher und nehmen ihnen dabei die Berührungsängste vor den fremdartigen Wesen. Die Beziehung der Jugendlichen zu den Tieren geht über den Unterricht hinaus, denn auch in den Ferien kommen sie in die Schule, um die Exoten zu füttern und zu versorgen.
Einige nehmen über die Ferien sogar eines der Tiere mit nach Hause. Denn die Bewohner des Vivariums sind zahm, werden aber trotzdem von den Schülern mit Respekt behandelt. Benötigen sie ihre Ruhe, so gewähren die Jugendlichen ihnen diese.

Schüler Malte Martach zeigt den prominentesten Bewohner des Vivariums, die Bartagame „Bernd". Foto: Dräger

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